Mittwochs-ABC: »E« (2. Staffel)

… wie Einsamkeit

Was ist eigentlich Einsamkeit? Wann ist jemand einsam? Einsam sein, sich einsam fühlen, ist das nicht für jeden Menschen ein anderes Erleben? Ich z. B. fühle mich einsam, wenn ich traurig/wütend/ratlos bin, jemanden zum Anlehnen oder Reden brauchen würde, aber niemand ist da oder hat Zeit. Das ist dann ein Gefühl ganz tief innen drin, das fast schon weh tut.
Was ich aber total genießen kann, ist die Einsamkeit. Klingt paradox? Nein, ist es aber nicht. Diese Einsamkeit, die ich meine, ist freiwillig. Zum Beispiel ganz allein in den Dünen sitzen, aufs Meer schauen und den Gedanken nachhängen. Oder einsame Spaziergänge, egal wo.
Einsamkeit ist also nicht gleich Einsamkeit. Sie kann sowohl positiv als auch negativ sein.

Was bedeutet Einsamkeit für euch? Positiv und negativ.

10 Gedanken zu „Mittwochs-ABC: »E« (2. Staffel)“

  1. Hallo Maksi, moin, moin!
    Einsamkeit ist für mich nur negativ besetzt.

    Was für dich positive Einsamkeit ist, bezeichne ich als für-mich-zu-sein, in Ruhe gelassen zu werden, meinen Gedanken und Gefühlen nachhängen zu können, mich in meinem “Leiden” suhlen zu können, ohne mir gute oder weniger gute Ratschläge anhören zu müssen.

    Einsam bin ich in Situationen wie du sie beschreibst auch. Aber oft auch, wenn ich ein Gefühl, eine Befindlichkeit eben nicht mit jemandem teilen kann.
    Einsam war ich in meiner Ehe sehr, sehr oft, obwohl ich nicht allein war. Das Gefühl “das hätte ich genauso gut dem Schrank erzählen können” oder das Wissen, dass ein kränkender Spruch kommt statt eines Lächelns oder einer Umarmung.

    Alleine bin ich sehr, sehr gerne, und zum Glück flackert das Gefühl der Einsamkeit immer nur kurz auf. Damit kann ich gut leben

    Hab einen schönen Tag und liebe Grüße, Hermine

    • Moin, liebe Hermine,

      du hast es viel besser formuliert, als ich. Meine positive Einsamkeit hätte ich vielleicht besser als Alleinsein betitelt. Trotzdem … ein menschenleerer Strand, ein Blick ins Unendliche, weit und breit keinerlei Menschenseele … das ist zwar Alleinsein mit mir und der Natur, aber es ist auch (für mich) positive Einsamkeit. Ich habe das in meinen Urlauben in Südfrankreich schätzen und lieben gelernt. Da bin ich gerne nach (oder kurz vor) Sonnenuntergang mit einer Flasche Wein und Zigaretten (damals habe ich noch geraucht) in die Dünen, habe mich in den noch warmen Sand gesetzt und war einfach nur total glücklich! Ich habe den Augenblick genossen, ohne an bestimmte Dinge zu denken. Natürlich wäre es schön gewesen, diese Augenblicke mit einem lieben Menschen zusammen zu genießen. Leider habe ich jedoch nie jemanden kennengelernt, der das gleiche Empfinden für solche Situationen hatte, wie ich. Schade, ich hätte gerne geteilt.

      Ich weiß nicht, ob du das auch kennst, dass man inmitten einer großen Gruppe, ganz allein für sich sein kann?! Ich hatte das immer am Lagerfeuer (ebenfalls Frankreich) bei Gitarrenmusik und Gesang. Da konnte ich mich total in mich selbst zurückziehen, habe zwar alles um mich herum mitbekommen, war aber trotzdem “ganz weit weg”. Das alles waren Situationen und Erlebnisse, aus denen ich unendliche Kraft schöpfen konnte.
      In der heutigen hektischen Zeit findet leider kaum jemand die Muße, mit dem man solche Sachen teilen könnte. Zusammen schweigen zu können, ist etwas ganz Tolles.

      Ach herrje, da sind mir doch jetzt das Herz und der Mund übergelaufen (immer diese Angst, falsch verstanden zu werden).

      Alles Liebe von
      Maksi

  2. Moin, liebe Maksi,

    was du in obigem Beitrag schreibst, kann ich gut nachvollziehen. In meinen Solo-Urlauben habe ich es genossen, mal alleine die Umgebung zu geniessen, ohne dass jemand bei mir war und mich ablenkte. Man muss sich nicht ständig mit jemand austauschen und man erlebt die Umgebung viel intensiver. Es gibt natürlich auch Momente, die man mit anderen teilen möchte. Ich kenne Personen, die nicht in den Urlaub fahren, weil sie das Alleinsein scheuen. Du meine Güte, was wäre mir entgangen, wenn ich ständig eine Reisebegleitung bei mir gehabt hätte!
    Auch jetzt, wo man zum Drinnenbleiben gezwungen wird mit wenig Kontakten, fühle ich mich nicht einsam. Man muss sich mit sich selbst auseinandersetzen, das können und wollen manche Menschen nicht.
    Während meines Ehelebens war ich auch oft alleine, weil eben der andere eher viel Kontakt mit anderen suchte und ich nicht, vornehm ausgedrückt, wenn man Kneipenbesuche als Kontakt bezeichnet…….. Und stumm vor dem Fernseher zu sitzen mit jemand und sich nicht zu unterhalten, finde ich einfach öde. Oder wenn man versucht, eine Unterhaltung aufzubauen, während der andere nicht zuhört oder mit den Gedanken woanders ist, entspricht dann dem “ich hätte das ebenso dem Schrank erzählen können”.

    Also ist es nicht einfach, das passende Gegenstück zu finden, mit dem man angenehm schweigen, aber auch sich anregend austauschen kann.

    Meine Freundschaften beschränken sich demzufolge auf Singles, die ebenso denken und fühlen wie ich, das ist auch nach vielen Jahren sehr angenehm.

    Liebe (nicht einsame) Grüsse von Doris

    • Meine Freundschaften beschränken sich demzufolge auf Singles, die ebenso denken und fühlen wie ich, das ist auch nach vielen Jahren sehr angenehm.

      Genau SO isses bei mir auch.

      Es ist schön und tut gut, wenn man auf Gleichgesinnte/-empfindende trifft *dich jetzt einfach mal drückt*

      Alles Liebe von
      Maksi

  3. Hihi, keine Angst, ich stelle fest, dass wir da ähnlich oder sogar gleich ticken

    Gestern hatte ich z.B. so einen regelrechten Glückskick, den ich gerne mit jemandem geteilt hätte. Ich kam zufällig an einem Sportplatz vorbei und dort trainierten Kinder! Sie waren in Grüppchen aufgeteilt, drippelten, kickten, sprinteten, die Trainer riefen ihnen zu und pfiffen. Es war so NORMAL! Mir war gar nicht bewusst, dass trainierende Bengel einer alten Frau so einen Glücksmoment schenken können. Nach einer so langen Zeit des Lockdown. Ja, und in diesem Moment hätte ich gern einen lieben Menschen angestrahlt ….

    Ach herrje, da sind mir doch jetzt das Herz und der Mund übergelaufen (immer diese Angst, falsch verstanden zu werden).

  4. Guten Abend,
    eigentlich brauche ich gar nichts mehr zu schreiben. Ich fühle genau so wie Ihr!
    Einsam, wenn man traurig und sich nicht verstanden fühlt, unter vielen Menschen einsam und ungemütlich, ich bin einsam, wenn mich jemand stundenlang zu unterhalten versucht oder mir ein Gespräch aufzwingen will.
    Schöne Einsamkeit, wie Maksi es beschreiben hat: Strand, Lagerfeuer, Gitarre, Wein und Zigarette, in sich selber zurückziehen. Wunderschöne Einsamkeit und Ruhe. BINGO! Da erkenne ich mich sofort wieder.

    Viele liebe Grüße in die gleich tickende und wunderschöne Runde
    Lina

    • Moin, meine Liebe,

      es ist schön, wenn man merkt, dass man von Gleichgesinnten umgeben ist … auch wenn wir nicht bei Gitarrenklängen am Lagerfeuer sitzen, Rotwein trinken und eine dazu rauchen

      Ich liebe unsere kleine ‘erlauchte’ Runde.

      Alles Liebe von
      Maksi

      • Schade, dass wir in unterschiedlichen Zeiten und Orten aufgewachsen sind. Ich glaube, wir wären die dicksten Freundinnen geworden (also im übertragenen Sinne *lach*).
        Ganz viele Drücker von Lina

        • Ja, das ist wirklich sehr schade, dass wir sowohl zeitlich, als auch räumlich, unterschiedlich aufgewachsen sind … obwohl … die dicksten Freundinnen wären wir, zumindest aus meiner Sicht, nicht NUR im übertragenen Sinn geworden 😂

          “Dickes” Knuddelbussi von
          Maksi

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